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Bild zum Weblog Der längste Zaun der Erde
08.06.2022

Der längste Zaun der Erde

…oder von dem Versuch, Kaninchen mit ein bisschen Draht auszusperren

Im Englischunterricht wird sich viel mit dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika auseinandergesetzt. Das ist natürlich berechtigt wenn man bedenkt, dass ca. drei Viertel der ungefähr 400 Millionen englischen MuttersprachlerInnen in diesen zwei Ländern leben. Zu kurz kommen da aber leider oft andere - allerdings nicht weniger interessante - Länder wie Kanada, Australien, Irland, Südafrika und Neuseeland.

In der diesjährigen Lektüre hat sich die 8. Schulstufe mit einem dieser Länder und einem Teil seiner Geschichte auseinandergesetzt. Australien ist bekannt für Kängurus, Sydneys Opernhaus tolle Strände und das „Outback“. Weniger bekannt ist, dass die Australier mit 3.237km Anfang des 20. Jahrhunderts den längsten Zaun der Welt gebaut haben. Der Grund für diesen Zaunbau war der verzweifelte Versuch, die Kanincheninvasion aus dem Osten zu stoppen und die Felder mitsamt der Ernte in Westaustralien vor den gefräßigen Tieren zu retten. Wie die meisten „Problemtiere“ Australiens wurden auch die Kaninchen aus dem Ausland eingeführt. Für die Jagd ausgesetzte Kaninchen wurden dem Land zum Verhängnis und die sich immer weiter ausbreitende Kaninchenplage führte zum Bau des sogenannten „Rabbit-Proof Fence“. Der Zaun erwies sich natürlich als wenig wirksam gegen Tiere, die sowohl graben als auch gut hüpfen können. Allerdings war er eine gute Hilfe für Aborigines und andere Leute, die im Inneren der Landes die Orientierung behalten wollten.

Ein anderes unrühmliches Kapitel in der australischen Geschichte war die Praxis der Regierung, „Mischlingskinder" von Aboriginesfrauen und Männern englischer Herkunft in Lager zu stecken, um sie dort in den Wegen des „weißen Mannes“ zu unterrichten. Diese „Gestohlene Generation“ kombiniert mit dem Kaninchenzaun, ergeben den Hintergrund einer bemerkenswerten wahren Geschichte. Drei Mädchen im Alter von 8, 10 und 14 Jahren, die eine Aborigine als Mutter und einen weißen Zaunsinspektor als Vater haben, halten es keine zwei Tage in dem Lager aus, in das sie zwangsweise gebracht werden. Sie fliehen, suchen und finden den „Rabbit-Proof Fence“ und laufen 2.400km wieder nach Hause, ohne von dem auf sie angesetzten Spurensucher - und allen die ihm helfen - aufgegriffen werden zu können.

Nachdem im Englischunterricht Australien allgemein etwas unter die Lupe genommen wurde, haben wir uns mit Teilen einer Dokumentation (Along the Rabbit-Proof Fence - The Incredible Journey, zu finden auf YouTube) an die geschichtlichen Hintergründe herangetastet. Anschließend haben wir die Lektüre gelesen, besprochen und Aufgaben dazu bearbeitet. Nun wartet noch der Part, auf den sich am meisten gefreut wurde: der Film!

Es is eine Geschichte die unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Sie liefert eine gute Grundlage für zahlreiche Diskussionen und lässt auch die SchülerInnen nicht kalt.
Fazit: Das Buch ist lesenswert, aber wer bewegte Bilder vorzieht, der kann sich auch mit der Dokumentation oder dem Film ins Australien des Jahres 1931 zurückversetzen lassen.

Bild 1 zum Block 3601
Bild 2 zum Block 3601

Autor: mw

Bildnachweis: M. Weiner