
Die 8. Klasse unserer NMS hatte neulich im Chemieunterricht Gelegenheit, "handfeste" Tatsachen über die Welt um uns herum kennezulernen.
Eine "Reise ins Innere des Bleistifts" oder "Im Herzen eines Diamanten" hört sich vielleicht anfangs etwas abstrakt an, doch wird man eines besseren belehrt, wenn man sich die Sache einmal "plastisch" vor Augen führt. Wie? Na, indem man sich diese abstarkte Welt einfach nachbaut - mit einem Molükbaukasten!
Unsere Schüler hatten großen Spaß daran, sich ihre "Super-Bleistiftmine" oder ihren eigenen "Diamanten" zu bauen.
Schnell konnten wir dabei herausfinden, dass ein so unscheinbares Element wie Kohlenstoff doch sehr vielseitig ist und für eine große Überraschung sorgen kann: Ordnet man die Atome in einer Ebene an, bildet sich bei mehreren Ebenen übereinander ein sog. "Schichtgitter", das mit seinen charakteristischen "Waben" typisch für die Struktur des Graphits ist. Gehen die Atome mit den sie nach allen Seiten umgebenden Nachbarn Verbindungen ein, entsteht ein "Raumgitter", das typisch für alle Kristalle ist. In unserem Fall bildet der sog. "Tetraeder" die Grundbauform des Diamanten.
Anders als beim Diamanten, wo das Gitter um jeden Preis zusammengehalten wird und das Gefüge dadurch außerordentlich fest wird, so dass man den Stoff fast gar nicht bearbeiten kann, ist das Schichtgitter des Graphits sehr gern bereit, seine Ebenen "vom Stapel zu lassen". Wenn wir beispielsweise mit einem Bleistift auf Papier schreiben, hinterlässt die Graphitmine bei Druck und Zug eine Spur von abgestreiften Gitterschichten. Wir können diese dann als "Strich" erkennen. Sonst lässt sich Graphit auch mit dem Fingernagel mühelos kratzen und bleibt auch an fast jeder Oberfläche gerne haften. Es zählt zu den weichsten Stoffen, die wir kennen.
Ob etwas also weich oder hart bzw. lose oder fest ist, entscheidet offensichtlich nicht wirklich die innewohnende Eigentschaft der Teilchen, aus denen es aufgebaut ist. Die Art und Weise, "wie" die Teilchen zusammenhalten, verleiht einem Stoff seine charakteristischen, zunächst physikalischen Eigenschaften.
Welche gewaltigen Auswirkunken auf unsere Gesellschaft könnte wohl die Erkenntnis haben, dass eine Verbindung auch nach "oben" und besonders "unten" einer Verbindung nur unter unseresgleichen vielfach überlegen ist? Wenn man sich also nicht "zu schade" oder "zu gut" vorkommt, seine freundschaftliche Hand auch in andere "Schichten" auszustrecken, um somit den Zusammenhalt der Gesellschaft zu festigen? Aber das hat ja alles nichts mit Chemie zu tun! Menschen sind doch keine Kohlenstoffatome. Wo kämen wir denn hin, wenn wir alle gleich wären. ...
(bo)